Bei sternenklarem Himmel und Vollmond machten wir uns früh um halb 6 auf zum Milford Sound, einem Fjord an der Westküste. Bei Sonnenaufgang erreichten wir Te Anau, wo wir in einem Cafe frühstückten. Te Anau ist ein kleiner Ort, etwa 180 km südwestlich von Queenstown, am Te Anau Lake gelegen, dem zweitgrößten See Neuseelands. (Der größte See ist übrigens der Lake Taupo auf der Nordinsel.) Von Te Anau ging es wieder Richtung Norden ins Fjordland.
Auf der Straße von Te Anau nach Milford (etwa 120 km) gibt es diverse Möglichkeiten für Zwischenstopps und kleine Wanderungen. So spazierten wir durch moosbewachsenen Wald zum Gynn Lake. Wir hielten an den Mirror Lakes (Spiegel-Seen) – von der Straße sehen diese aus wie der Zapeler Dorfteich (Grüße in die Heimat). Wenn man jedoch näher herangeht, sieht man das Spiegelbild der Berge der Umgebung darin. Da diese Seen sehr windgeschützt liegen, ist die Wasseroberfläche spiegelglatt und es entstehen schöne Reflektionen.
Auf der weiteren Fahrt hielten wir noch an einem Wasserfall und einem Aussichtspunkt in den Bergen. Während am Anfang der Fahrt die Straße meist durch steppenartige Wiesen und an Seen entlang führte und die Berge eher in der Ferne zu sehen waren, wurde die Straße jetzt schmaler und führte direkt zwischen den felsigen schneebedeckten Bergen hindurch. Ca. 20 km vor Milford durchfährt man den 1,2 km langen Homer Tunnel. Da es in diesem Tunnel keine Straßenmarkierungen oder Beleuchtung gibt und riesige Eiszapfen von der Decke herabhingen, war diese Durchfahrt etwas unheimlich.
Letztendlich erreichten wir Milford, wo auch diese Straße endet. Wir hatten eine Bootstour gebucht und starteten pünktlich um 14 Uhr bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein zu einer 2 stündigen Fjordrundfahrt. Attraktionen waren diverse Wasserfälle: die Bowen Falls (160m hoher Wasserfall), ein weiterer Wasserfall, von dem so wenig Wasser herabkam, dass nur einzelne Tropfen herunterfielen und in der Sonne glänzten wie Silberregen, dann die Stirling Falls (155m hoher Wasserfall) – an den wir so nah heranfuhren, dass man auf dem Vorderdeck eine Dusche abbekam, an der Mündung zum Meer des Fjords der St. Anne Point mit dem winzigen Leuchtturm, ja und zwei Pinguine haben wir auch gesehen, wie auch einen Artverwandten des Albatross (den Namen hab ich vergessen, aber plötzlich flog ein riesiger Vogel übers Wasser). Es war sehr beeindruckend in diesem kleinen Boot zwischen den über 1000 Meter hohen Bergen entlangzufahren – wie z.B. dem Mitre Peak mit 1682 m und dem The Lion mit 1301 m.
Hier noch die maorische Legende zu diesem Fjord:
Dem Maori-Halbgott Tu-te-raki wurde einst die Aufgabe erteilt, die zerklüftete südwestliche Ecke von Te Rua-o-te-moko, oder auch Fjordland, zu gestalten. Während er einen aus alter Zeit stammenden Karakia (Gesang) wiederholte, benutzte Tu-Te-Raki-Whanoa seinen Ko (Grabestock), um in die große Mauer zu meißeln. Sich von Süden nach Norden bewegend, vollendete er sein Werk und schuf die steilen, klar geschnittenen Flanken des Piopiotahi, oder auch Milford Sound. Als Tu sich von seiner Arbeit ausruhte, besuchte ihn die Erdmutter (Papa-tua-nuku). Sie verlangte, dass Tu eine flache Stelle schüfe, damit Menschen anlegen und Piopiotahi erkunden könnten. Tu gehorchte, und heute heißt das flache Gebiet am Ende des Fjords Te Wahi Papa-tua-nuku.
(Piopiotahi, „viele Öffnungen in einem“, ist das Maori Word für Milford Sound.
Wir verließen Milford am späten Nachmittag wieder und konnten die Landschaft auf der Rückfahrt noch einmal in der Abenddämmerung bewundern. Bei sternenklarem Himmel und Vollmond erreichten wir abends wieder Queenstown.