Kirche in Timaru
Wasserfall bei Haast
Strand an der Westküste bei Haast
An den Pancake Rocks
Tausend schöne Kilometer
23.08.2006 von Doreen

Von Franz Josef fuhren wir an der Westküste entlang nach Nelson und am letzten Tag unseres gemeinsamen Urlaubs zeigte ich Karolina meine derzeitige Wahlheimat und natürlich den Abel Tasman Nationalpark. Dort machten wir einen Teil der Tour, die ich mit Edi vor ein paar Wochen schon mal gemacht hatte. Auch Karolina war begeistert von den goldenen Stränden und grünen Wäldern am Meer. Nachmittags fuhren wir noch kurz auf Rabbit Island. Zum Abendessen gab es dann Pizza am Tahunanui Beach („meinem Badestrand“) und schon fast im Dunkeln zeigte ich Karolina Nelson´s Innenstadt. Ihr Urlaub ist inzwischen auch vorbei und sie sitzt im Flugzeug nach Europa. Was ich auch interessant fand während unserer Reise, war die Reaktion der Leute bei der Frage unserer Herkunft. Ich sage Deutschland und es kommt ein „aha“ oder „ich war schon mal auf dem Oktoberfest“. Karolina sagt, dass sie aus Ungarn kommt und es gibt große Augen und Staunen und den Satz „Ich hab noch nie jemanden aus Ungarn getroffen.“

Was ich meinen Berichten bisher nicht erwähnt habe, aber eigentlich ein Großteil unserer Rundreise war, sind die Busfahrten. Immerhin haben wir eine Strecke von über 1100 km zurückgelegt (das ist weiter als von Flensburg bis zum Bodensee) und dabei sehr unterschiedliche Landstriche durchquert. Die Busfahrer sind alle auch kleine Reiseführer und erzählen während der Fahrt über die Landschaft und deren Entstehung, über Flora und Fauna, die geschichtliche Entwicklung und wirtschaftliche Lage einzelner Ortschaften. Das ist echt interessant und unterhaltsam. Für unsere Bustickets haben wir übrigens 183 Dollar pro Person gezahlt (etwas mehr als 90 Euro).

Auf der Strecke von Christchurch nach Dunedin durchquerten wir vorerst flaches Weideland. Die Straße ist zu weit von der Küste entfernt als dass man diese sehen konnte. Auf halber Strecke legten wir einen Zwischenstopp in Timaru ein, das ist ein kleiner niedlicher Ort aber auch ein wichtiger Frachthafen auf der Südinsel. Auf der Weiterfahrt nach Dunedin sahen wir von der Landschaft fast nichts mehr. Bis Timaru hatten wir blauen Himmel, Sonnenschein und klare Sicht, danach fuhren wir in dichten Nebel und die Sicht reichte keine 100m.

Von Dunedin bis nach Wanaka durchfuhren wir die Region Otago, im Osten geprägt durch felsige Berge mit Gesteinsablagerungen, die durch Vulkane gebildet wurden; im Westen durch Täler und Berge, welche durch Gletscher entstanden sind. Die Straße führe lange Zeit am Clutha River entlang, der mit 340km Länge der längste Fluss des Landes ist. Die meisten Orte hier entstanden während des Central Otago Gold Rush in den 1860ern. Das Vorhandensein von Gold in dieser Region sorgte auch dafür, dass Dunedin sich schnell zur größten und reichsten Stadt entwickelte. Das Klima in der Gegend machte den Goldgräbern das Leben allerdings auch nicht einfach – die Sommer sind sehr heiß (bis 40 Grad Celsius) und im Winter gibt es Frost und Eis. Heute leben die Orte von Landwirtschaft, Bergbau, Weinanbau und natürlich vom Tourismus.

Weiter Richtung Westküste wurde dann die Vegetation üppiger. Vom Haast-Pass nach Haast (einem kleinen Ort an der Westküste) führt angeblich die steilste Landstraße und es gibt Rampen, die seitlich von der Straße bergauf führen, für den Fall, dass die Bremsen versagen. Hab ich auch noch nie gesehen. Über den Haast River führte dann die längste einspurige Brücke. (Ihr seht schon, hier bekommt alles irgendeinen Titel.) In Neuseeland gibt es aufgrund der geringen Verkehrsdichte sehr viele einspurige Brücken und das hier ist halt die längste. Die Küstenstraße führt Richtung Norden bis nach Westport. Einen Zwischenstopp hatten wir unter anderem in Hokitika, die Stadt ist bekannt für die Jade-Vorkommen und im Sommer findet hier ein Wild Food Festival statt, da kann man Wild jeder Art probieren. An den Pancake Rocks hielten wir auch. Diesmal waren gerade Flut, Regen und Wind da, so dass die Felsen viel spektakulärer aussahen als bei Sonnenschein, wie ich sie zu Ostern gesehen hatte.

Ja, und dann ging es zurück nach Nelson. Edi hat uns vom Bus abgeholt und wir haben ihn zum Flughafen gebracht. Er ist jetzt für ein paar Wochen in Deutschland. Und ich geh wieder arbeiten, dieser Urlaub ist vorbei. Auch wenn ich noch viel mehr davon erzählen könnte. Aber ich muss mir ja was aufheben, was ich dann mal bei einem Glas Wein erzähle. Übrigens: unsere ersten Weine sind fertig und echt lecker. Und die weitere Produktion läuft!

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